• 1
  • 2

Arbeit auf Probe?

Probearbeit, kostenloses Praktikum oder "Einführungsverhältnis" - Unternehmen drohen rechtliche Fallstricke

Bei hoher Arbeitslosigkeit ist auch die Zahl der Bewerber auf eine offene Stelle hoch. Viele Bewerber bieten sogar von sich aus an, zunächst mal "kostenlos auf Probe" zu arbeiten. Doch Vorsicht: Arbeitgeber, die die Regeln nicht beachten, "sind schnell in einem Arbeitsverhältnis drin".

Kostenlose Probearbeit war früher fast ausschließlich in der Gastronomie verbreitet. Doch in Zeiten knapper Stellen hat sich dies grundlegend geändert. Immer häufiger nehmen Bewerber gerne die Gelegenheit war zu zeigen, was sie können. Arbeit, wie auch immer, ist Arbeit und die, so will das Bürgerliche Gesetzbuch, muss vergütet werden. Ausgenommen ist ein Praktikum. "Da wird auch keine Arbeit geleistet". Es geht darum, "die Praxis kennenzulernen". Steht dagegen bei einem Praktikum die Ausbildung im Vordergrund, wird auch hier eine Vergütung fällig. Einzige weitere Ausnahme ist das "Einführungsverhältnis". Der Begriff wurde schon 1989 vom LAG Hamm verwendet. Ziel ist hier allein, sich gegenseitig kennenzulernen. Dabei ist der Arbeitgeber nicht zur Vergütung, umgekehrt der Bewerber auch nicht zur Arbeitsleistung verpflichtet. Der Bewerber unterliegt nur dem Hausrecht, nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers. Die Dauer eines solchen "Einführungsverhältnisses" sollte auf wenige Tage, höchstens eine Woche, begrenzt sein. Größeren Unternehmen, die öfter Bewerber kennenlernen wollen, ist anzuraten, einen kurzen Vertrag vorzubereiten, der diese Punkte zusammenfasst.

Um Probleme zu vermeiden, reicht ein Vertrag freilich nicht aus. Gerade der Arbeitgeber muss sich dann daran halten. Wenn der Bewerber freiwillig Arbeit anbietet, darf der Arbeitgeber das Ergebnis auch verwerten. Doch darf das Einführungsverhältnis nicht so gestaltet sein, dass das Unternehmen solche Ergebnisse erwartet oder gar darauf angewiesen ist. Unmittelbar notwendige Arbeit sollte tabu sein.

"Etikettenschwindel hilft nicht". Egal, wie das Kind genannt wurde - "Einführungsverhältnis", Probearbeit oder kostenloses Praktikum: Wenn die Regeln für das Einführungsverhältnis nicht eingehalten werden, kann der Bewerber auch nachträglich auf eine Vergütung pochen. Ist die Situation unklar oder streitig, sollten Arbeitgeber daher nichts anbrennen lassen. Dann muss sofort die Kündigung raus und auch der Betriebsrat ist gegebenenfalls zu beteiligen. Arbeitgeber, die dies über die Zeit von sechs Monaten hinaus aufschieben, können sonst sogar in einem regulären Arbeitsverhältnis mit vollem Kündigungsschutz hängen bleiben. Wurde ein Bewerber dagegen ausgewählt, kann der Arbeitsvertrag rückwirkend zum Beginn des Einführungsverhältnisses abgeschlossen werden. Der Lohn für wenige Tage könnte gut angelegt sein. Das ist eine Frage der Motivation. Um einen Arbeitnehmer unter Alltagsbedingungen zu testen, bleibt nur die Probearbeit. Das aber "ist ein ganz normales Arbeitsverhältnis", in dem der Arbeitgeber eine Leistung, der Arbeitnehmer aber auch eine Vergütung beanspruchen kann.

In der Regel reicht diese zur Erprobung meist aus. Laut BAG ist auch ein befristeter Probearbeitsvertrag zulässig.

Rechtsstand: 01.11.2006