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Elternzeit und Urlaub

Elternzeit und Urlaub
Resturlaub gibt es auch nach drei Jahren noch

Normalerweise müssen Arbeitnehmer ihren Erholungsurlaub im laufenden Kalenderjahr, dem "Urlaubsjahr", nehmen. Persönliche wie dienstliche Gründe können aber dazu führen, dass der Urlaub noch in den ersten drei Monaten des folgenden Jahres genommen werden kann, je nach Tarif- oder Einzelarbeitsvertrag auch noch später. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt für die dreijährige Elternzeit (früher: Erziehungsurlaub). Hatte eine Mutter (oder ein Vater) vor Beginn der kindbedingten Auszeit den normalen Erholungsurlaub nicht oder nicht in vollem Umfang nehmen können, so kann der Resturlaub aus der Zeit vorher von der Mutter/dem Vater noch genommen werden, wenn das Kind drei Jahre alt ist und der Vater oder die Mutter wieder arbeiten. Exakt: im letzten Jahr des Elternurlaubs oder im Jahr danach.

Beispiel: Geburt des Kindes 15.07.2006, Elternzeit steht bis zum 14.07.2009 zu.
Der für 2006 zustehende Erholungsurlaub, der vor der Geburt des Kindes nicht mehr genommen wurde, wird für das Jahr 2009 oder 2010 angefügt. Scheiden Mutter oder Vater zum Ende der Elternzeit aus dem Arbeitsverhältnis aus, so wird der Resturlaub aus 2006 im Jahr 2009 bar abgegolten.

Urlaubsansprüche entstehen mit jedem Monat des Arbeitsverhältnisses. Die Zeit der Mutterschutzfrist (sechs Wochen vor und acht - bei Mehrlings- oder Frühgeburten 12 Wochen nach der Entbindung) zählen dabei mit, begründen also ebenfalls das Recht auf Urlaub. Für jeden vollen Kalendermonat (erster bis letzter) der Elternzeit kann der Arbeitgeber allerdings 1/12 vom Jahresurlaub abziehen.

Beispiel: Die Elternzeit hatte Mitte Juli 2006 begonnen und dauert bis Mitte Mai 2009.
Für 2006 hatte die Mutter/der Vater Erholungsurlaub nicht genommen. Der Arbeitgeber darf also den Erziehungsurlaub für 2006 um 5/12 (für die fünf vollen Kalendermonate von August bis Dezember 2006) = z.B. 10 Tage kürzen. 7/12 des 2006er-Urlaubs (= z.B. 14 Tage) können 2009 oder 2010 genommen werden und das kann - anders als beim "Normalfall" - auch auf das nächste Kalenderjahr übertragen werden. Erholungsurlaub kann auch noch nach dem 31.03. oder dem nach Tarifvertrag späteren Termin genommen werden. Die Zwölftel-Kürzung gilt übrigens nicht, wenn während der Elternzeit beim Arbeitgeber Teilzeitarbeit geleistet wird, was bis zu 30 Stunden pro Woche erlaubt ist.

Noch etwas:
Hat eine Arbeitnehmerin/ein Arbeitnehmer vor Beginn der Elternzeit mehr Erholungsurlaub erhalten, als ihm an sich für das Urlaubsjahr zustand, so kann der Arbeitgeber den Urlaub, der nach dem Ende der Elternzeit in dem betreffenden Jahr entfällt, um die vor der Elternzeit zu viel bewilligten Urlaubstage kürzen. Schließlich: das Arbeitsverhältnis darf während der Elternzeit - wie schon während der Schwangerschaft und Mutterschutzfrist - vom Arbeitgeber nicht gekündigt werden.

Rechtsstand: 26.10.2006