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Informationen zum Erbrecht 

„Der Erben Tränen
sind ein verdecktes Lachen"

(Volksmund)

Diese „Weisheit" beruht sicher auch darauf, daß der Normalbürger sich nur höchst ungern mit dem Rechtsgebiet beschäftigt, in dem geregelt ist, wie sich sein Vermögen im Fall seines Ablebens aufteilt.

Das Erbrecht ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt und beginnt mit den Worten „Mit dem Tode einer Person geht deren Vermögen als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen über." In der gesetzlichen Erbfolge hat der Gesetzgeber auch vorgeschrieben, wer wieviel erhält. Nur wenn Sie genau wissen, wie diese Verteilung in Ihrem Fall aussieht, brauchen Sie kein Testament zu erstellen. Aber Vorsicht. Nur in den seltensten Fällen stimmen die Meinungen und Vorstellungen der Erblasser mit der tatsächlichen gesetzlichen Erbfolge überein.

Als Erblasser wiegt man sich in der trügerischen Hoffnung, alles sei „per Gesetz" genau so geregelt, wie man es sich selbst wünscht. Ein eigenes Testament hält man darum für überflüssig.

Und dies, obwohl in den nächsten Jahren von den heute über 65-jährigen ein Vermögen von annähernd 1000 Milliarden Euro in Form von Grundstücken, Häusern, Bargeld, aber auch Wertpapieren oder ganzen Unternehmen vererbt wird. Es müssen aber nicht immer die ganz großen Vermögenswerte anstehen, um über die Verteilung eines Nachlasses nachzudenken.

Kennen Sie die erbrechtlichen Regelungen bezüglich des Ehegatten?
Sagt Ihnen der Begriff der „Ausgleichungspflicht der Abkömmlinge" etwas?
Haben Sie die steuerlichen Auswirkungen für Ihren Fall bedacht?

Wußten Sie, daß 95% aller letztwilligen Verfügungen, die von Privatleuten verfaßt wurden, wenig sinnvoll oder sogar fehlerhaft sind ? Einerseits gibt es einige zwingend einzuhaltende Formvorschriften, andererseits stehen aber viele Gestaltungsmöglichkeiten für ein rechtswirksames Testament zur Verfügung. Als Beispiele seien hier genannt:

  • Eigenhändiges Testament
  • Berliner Testament
  • Erbvertrag
  • Vorweggenommene Erbfolge (Schenkung)

Eigenhändiges Testament
Unser Erbrecht ist nicht einfach. Viele verlassen sich auf die gesetzlichen Regelungen, die sie „zu kennen glauben". Die gesetzliche Erbfolge mit Erben erster, zweiter, dritter und weiterer Ordnungen kann schnell zum Fallstrick werden, weil irgend ein Umstand nicht beachtet wurde. Die Verteilung Ihres Vermögens läuft ohne Testament jetzt „von Gesetzes wegen" und zwar ganz anders als Sie es sich zu Lebzeiten gewünscht haben.

Die Verteilung des Nachlasses unter mehreren Erben (die „Erbengemeinschaft") nennt man Erbauseinandersetzung. Diese sollte friedlich verlaufen, kann aber schnell eine unangenehme Richtung einschlagen.

Ein häufiges Beispiel:
Der Vater stirbt. Ihm gehörte die Hälfte des von Ihm und seiner Ehefrau bewohnten Hauses. Die Kinder und die Ehefrau beerben den Vater (als Erben 1. Ordnung können die Kinder ihr Pflichtteil sofort verlangen).

Eines der Kinder braucht Geld und will das zum Erbe gehörige Haus verkaufen, in welchem die Mutter ihren Wohnsitz hat. Oder: einer der Erben fordert die Herausgabe des Pflichtteils, was zur Zwangsversteigerung des Hauses führt, weil kein Bargeld in dieser Menge verfügbar ist.

Familiäre Zerwürfnisse und viele erbrechtliche Streitigkeiten könnten vermieden werden, wenn sich die Erblasser bereits zu Lebzeiten über eine sinnvolle erbrechtliche Regelung informiert hätten. Beratungsbedarf besteht vor allem dann, wenn die gesetzliche Erbfolge etwas vorsieht, was den Betroffenen oft nicht bewußt ist.

Sie haben es in der Hand:
Nur solange Sie leben, haben Sie alle Gestaltungsmöglichkeiten in der Hand. Lassen Sie sich beraten, es steht viel auf dem Spiel. Ihr Anwalt macht Sie auf alle wichtigen Punkte aufmerksam, die es zu beachten gibt, damit Ihr Vermögen so unter den Erben verteilt wird, wie Sie es sich jetzt wünschen. Er sagt Ihnen aber auch, was aufgrund unseres Erbrechts nicht machbar ist (z. B. „komplette Enterbung" eines Sohnes.)

Gemeinschaftliches Testament
Es kann von Ehegatten oder Partnern einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft rechtswirksam erstellt werden.

Schenken statt vererben?
In der „vorweggenommenen Erbfolge" können Sie Ihr Vermögen noch zu Ihren Lebzeiten an die Erben (und Vermächtnisnehmer) weitergeben (kennen Sie den Ausdruck: „mit warmen Händen geben anstatt mit kalten Händen?). Vorteil: Sie haben die Kontrolle der Weitergabe und Streitigkeiten können leicht verhindert werden.

Es gibt auch Gründe, Teile des Vermögens schon vor dem „Erbfall" aus der Hand zu geben. Eine Schenkung zu Lebzeiten ist ein möglicher Weg, das eigene Vermögen den Kindern zu übertragen, wenn diese es benötigen, aus welchen Gründen auch immer. Attraktive steuerliche Begünstigungen legen solche Überlegungen durchaus nahe. Erbschaftsteuerrechtlich handelt es sich bei der vorweggenommenen Erbfolge um einen begünstigten Erwerb durch Schenkung unter Lebenden.

Die Übertragung von Vermögensteilen zu Lebzeiten wird auch häufig als „Entlohnung" für versprochene Pflegeleistung vorgenommen.

Aber:
Was geschieht, wenn eine Ihnen versprochene Pflegeleistung nicht in der von Ihnen erwarteten Art oder vielleicht überhaupt nicht vorgenommen wird?

Was verstehen Sie unter „grobem Undank" oder einer „schweren Verfehlung" eines Beschenkten? Und was versteht das Gesetz darunter?

Ein Vertrag, der eine Schenkung zum Inhalt hat, sollte also auch und gerade auf den Fall abstellen, daß sich die Gegebenheiten ändern oder geändert haben.

Auch das richtige Erben will gekonnt sein
Mit dem Ableben des Erblassers tritt der Erbfall unmittelbar und automatisch ein, die Erbmasse geht auf den/die Erben über. Auch dann, wenn der Erbe von dem Todesfall nichts weiß. In den meisten Fällen gibt es nach einem Todesfall mehrere Erben. Hier sind viele Fragen zu beantworten:

  • Was gehört alles zum Erbe?
  • Welche Rechte und Pflichten hat der einzelne Miterbe?
  • Was gehört den einzelnen Miterben?
  • Wie wird geteilt?
  • In welchen Fällen soll das Erbe nicht angenommen werden?

Deshalb:
Sinnvolle Gestaltungen in Erbschafts- oder Schenkungsangelegenheiten erfordern den fachmännischen Rat Ihres Anwaltes!